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Zur Geschichte von Stolberg-Büsbach
Von Günter von der Weiden



Der Ort Büsbach liegt auf einem welligen Höhengelände von rd. 250 über NN der Vennfußfläche etwa in der Mitte zwischen dem Inde (Münsterbach) und dem Vichtbachtal. Der geologische Unterbau des Gebietes aus dem Devon und dem Karbon enthält einige Erzvorkommen, insbesondere Galmei (Zink) und Eisen die bis um 1880 ".zunächst im Übertage- und zuletzt im Untertagebau gewonnen wurden. Die mittelguten Böden um Büsbach boten die Voraussetzung für intensive Landwirtschaft. Dabei überwog bis um 1900 der Ackerbau die Vieh- und Milchwirtschaft.



Älteste Spuren menschlicher Besiedlung bei Büsbach wurden um 1965 auf dem waldfreien Brockenberg festgestellt, wo eine Kulturschicht mit Kleingeräten der frühen Mittelsteinzeit (etwa um 10.000 v.Chr.) untersucht wurde. Weitere Funde dort und bei Gut Tannenbusch stammen aus der Jungsteinzeit (um 5000 bis 1900 v.Chr.) Möglicherweise haben schon die Kelten und wahrscheinlich dann die Römer auf dem Brockenberg Erzbergbau betrieben. Siedlungsspuren aus der Römerzeit, und zwar aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr., wurden am Brockenberg – Hassenberg sowie im Gelände „Am roten Büschchen" etwa 250m südöstlich dem Tiefental gefunden. Die Römer erschlossen das hiesige wegen seiner Erzvorkommen wertvolle Gelände durch Straßen. Eine Nebenstrecke der Römerstraße Bavai (Nordfrankreich) – Korneliemünster – Köln, verlief über Dorff und Hassenberg südöstlich von Büsbach in Richtung Jülich.



Zur eigentlichen Gründung des Ortes Büsbach kam es aber erst in der Frankenzeit im relativ frühen Mittelalter. Darauf weisen einmal die dafür typische Namenendung auf – bach und zum anderen eine Anzahl von Keramikstückchen aus dem 9. bis 17. Jahrhundert, hin die Hartwig Löhr um 1975 im Ortsteil Tiefental fand. Hier, am Eller- oder Flachsbach, war demnach der älteste Siedlungsansatz für die Entwicklung von Büsbach. Der Name kann vielleicht mit „Busch am Bach“ gedeutet werden. Der Schwerpunkt des Ortes verlagerte sich aber bald in das nordöstliche und höher gelegene Gebiet der heutigen Hostetstraße und der unteren Konrad – Adenauer Strasse, wo am Scheitelpunkt dieser beiden Straßen im Jahr 1680 die erste Büsbacher Kapelle und 1894 die heutige große Pfarrkirche, sankt Hubertus, erbaut wurden. Dort lag der erste Schwer- und Mittelpunkt des Ortes Büsbach, der selbstverständlich älter ist als die zufällig erhaltenen ersten Schriftlichen Erwähnungen in Aachener Urkunden von 1178 und 1294.



Politisch, verwaltungsgemäß, kirchlich und kulturell gehörten Büsbach und viele Nachbarorte zum Herrschaftsbereich der um 815 gegründeten Reichabtei Korneliemünster, mit deren Schicksal das umgebende Münsterländchen rund 1000 Jahre eng verbunden war. Innerhalb des Münsterländchens war Büsbach Hauptort der etwa im 16. Jahrhundert entstandenen gleichnamigen Hunschaft, einer Art einfacher Verwaltungs- und Wehrbezirk, mit den zugehörigen Orten Dorff und Krauthausen sowie dem Indetal mit seinem Messingmühlen von Steinebrück bis Schneidmühle. Die Hunschaft war in etwa ein Vorgebilde der späteren Bürgermeisterei Büsbach. An ihrer Spitze stand ein Hauptmann, der auch Vorsitzender der ca. 1623 gegründeten Schützenbruderschaft der Hunschaft Büsbach war.



In wirtschaftlicher Beziehung spielte das Büsbacher Gebiet für die Abtei Korneliemünster eine wichtige Rolle. Sie besaß hier ein Ritterlehen („Burghof“, heute „Pooze“ – Hof, Hosterstraße 42) zwei einträgliche größere Pachthöfe (Büsbacher Hof, Hosterstraße 58, und Hof Hassenberg) und bezog von den Mannlehen der Hunschaft Büsbach die höchsten Einkünfte ihres Gebietes. Im Tiefental besaß die Abtei eine 1635 erwähnte Kupfermühle, an deren Stelle im 19. Jahrhundert eine Erzwäsche und Eisenschmelze angelegt wurden. In Büsbach bestand nahe der Kirche seit 1681 auch eine Brauerei, „Pannes“ genannt. Eine große Erwerbsbedeutung für die Bewohner von Büsbach neben der Landwirtschaft die seit dem 16. Jahrhundert" in Stolberg bestehende Messingindustrie die auch von den Galmeigruben bei Büsbach beliefert wurden. Im 19. Jahrhundert kamen insbesondere die Hüttenwerke im Ortsteil Münsterbusch (Zink, Blei, Glas) die in Textilfabriken umgewandelten Messingmühlen im Indetal und das 1896 gegründete große Kalkwerk in der Rüst dazu.



Den schlimmen Auswirkungen der vielen Kriege im 16., 17. und 18. Jahrhundert waren die Bewohner des kleinen Münsterländchens fast schutzlos ausgesetzt. Einen Höhepunkt dieser Schrecken brachte der 15. Dezember 1648, als nach dem offiziellem Ende des 30 Jährigen Krieges in der Schlacht bei Kalterherberg 56 Münsterländer Schützen gegen marodierende Lothringer fielen, davon acht aus Büsbach.



Wie in weltlicher, so gehörte Büsbach auch in kirchlicher Beziehung zu Korneliemünster, dessen alte Bergkirche, Sankt Stephan, die Mutterkirche der Gesamtpfarre war. Büsbach erhielt aber schon 1680 eine eigene Kapelle, in der Mönchspriester aus Korneliemünster als Vicekurate die Gottesdienste hielten. Die Kapelle wurde 1748 erweitert in daneben im Jahre 1754 ein Vicariegebäude errichtet. Im baufreudigen 18. Jahrhundert entstanden viele z.T. heute noch erhaltene urwüchsige Bruchsteinhäuser und Höfe, besonders in der alten Hostetstraße. Eine große Umwälzung auf allen Gebieten brachte auch für das Rheinland die Französische Revolution von 1789, in deren Verlauf 1794 das linksrheinische Gebiet von den Franzosen besetzt, 1802 offiziell an Frankreich angegliedert und Verwaltungsmäßig völlig neu geordnet wurde. Die Abtei Korneliemünster wurde 1794 aufgelöst, 1802 auch als Kloster aufgehoben und das Abteigebiet nach Französischen Vorbild in Mairien (Bürgermeistereien) als unterste Verwaltungseinheit aufgeteilt. Auch Büsbach wurde zur Mairie (1794 – 1800) und die Kuratvicerie zur selbständigen Pfarrgemeinde erhoben (1804).



Nahe der Kirche wurde der Büsbacher Friedhof angelegt. Schon im Jahr 1796 richtete die Mairie Büsbach eine einfache Schule mit rund 100 Kindern unter dem Küster Johann Kopp in Behelfsräumen ein. Die gesamte Bürgermeisterei Büsbach hatte um 1800 rund 900 Einwohner, von denen damals schon die meisten im Gewerbebereich arbeiteten, viele als Tagelöhner. Etwa 5% der Bevölkerung betrieben hauptberuflich Landwirtschaft.



Nach der Vertreibung der Franzosen und den Bestimmungen des Wiener Kongresses von 1815 kam Büsbach mit dem Rheinland zu Preußen und gehörte als Bürgermeisterei ab 1816 zum neugeschaffenen Landkreis Aachen im Regierungsbezirk Aachen der späteren Rheinprovinz. Die ersten Bürgermeister waren Christian Maus (1800 – 14), Johann Heinrich Motter (1815 – 22), "Karl Kuck (1822 – 49), Winand Giesen (1850 – 88) und Carl Plum (1888 – 99). Der wesentliche Entwicklungsfaktor im 19. und 20 Jahrhundert war die rasante Industrialisierung und Technisierung und die damit zusammenhängende stetige Zunahme der Bevölkerung, verbunden mit einer entsprechend gesteigerten Bautätigkeit im Wohnungs- und Straßenbereich.



Büsbach dehnte sich in dieser Zeit besonders in nördliche und nordöstlicher Richtung aus. Die Schwerindustrie und der Bergbau konzentrierten sich vorwiegend im Ortsteil Münsterbusch (Kohlebergbau bis 1891), während in Büsbach selbst das vielseitige feinere Gewerbe mit Kleinindustrie, Handwerk und Handel das Bild bestimmten. Der Erzbergbau auf Brockenberg und Büsbacherberg hielt sich nur sporadisch bis ca. 1880 und eine 1848 erbaute Bleihütte in der Lehmkaul bestand als solche nur wenige Jahre. Von Bedeutung waren die zahlreichen Kalkstein- uns andere Steinbrüche, z.T. mit Kalköfen, sowie einige Sand- und Lehmgruben im Bereich Büsbach. Dazu kamen zwei kleine Fabriken für feuerfeste Steine am Kranensterz und an der Liester. Mehrere Maurermeister gründeten schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts kleinere und mittlere Bauunternehmungen. Bis um 1900 bestanden im Zentrum von Büsbach zwei Seifensiederein. Mehrere Fuhrunternehmen bedienten das heimische Gewerbe Handel und Industrie. Von den zahlreichen Handwerksbetrieben und Geschäften im Ort sei Stellvertretend das im Jahr 1879 errichtete vielseitige große Kaufhaus Dreuw mit Lebensmittelladen, Bäckerei, Metzgerei, Drogerie, Textil- und Schmuckabteilung genannt. Im 20. Jahrhundert kamen u.a. eine kleine Möbelfabrik (Mohr) und eine Schirmfabrik (Büsbacherberg, 1928) hinzu.



Die vielseitige Industrie im Gebiet Stolberg und genügend Bauland ließen die Bevölkerungsanzahl der Bürgermeisterei Büsbach in 130 Jahren um fast das zehnfache Anwachsen: von 900 um das Jahr 1800 auf rund 9000 um 1930. Dabei spielte die Zuwanderung eine große Rolle. Verkehrsmäßig wurde das auf sein Höhengelände etwas isoliert gelegene Büsbach 1832-36 durch den Bau der Festen Provinzialstraße Brand – Büsbach – Stolberg an die größeren Nachbarstädte angebunden. Ansonsten gab es nur Wege und Fußwege. Die Gemeinde baute 1865-68 mit staatlichem Zuschuss (Prämie) die bis dahin schlechteste Straße von Breinigerheide über Dorff und Büsbach nach Münsterbusch als Hauptverkehrsachse („Prämienstraße“ mit Wegegeld Barrieren) durch ihr Gebiet gründlich aus. Im Jahre 1887 erhielten die Hüttenwerke in Münsterbusch Eisenbahn Anschluss, der auch dem Gewerbe und dem Handel in Büsbach zugute kam. Während des Kulturkampfes (1872-87) war die Pfarrgemeinde Büsbach in zwei feindliche Gruppen gespalten und sechs Jahre ohne Pfarrer. Für die stetig wachsende Schülerzahl errichtete die Gemeinde Büsbach 1832 und 1845 je ein Schulgebäude an der Hostetstraße sowie 1868 und 1887 je ein weiteres am Markt und an der Bischofsstraße. Das große Gemeinde und Schulgebäude am Markt (heute Bürgerhaus) diente gleichzeitig als Verwaltungsgebäude (Rathaus, heute Bürgerhaus).



Am Markt - als neuer Schwerpunkt des Ortes - wurde 1891 auch die schöne Bürgermeister Dienstvilla erstellt und die Pfarrgemeinde baute 1891/92 das ehemalige alte Gasthaus Hostetstraße 3 zum neuen Pastorat völlig um. Für öffentliche Veranstaltungen und die Entfaltung des Vereinslebens errichteten die führenden Wirte Giesen, Conrads und Flink je einen großen Saal an ihre Gaststätten (1872, 1885 und 1898). Beim Wirt Johann Conrads wurde 1887 die neue Büsbacher Postagentur eingerichtet, die 1911 in die Bischofsstraße, 1924 in die Konrad Adenauerstraße 146 und 1942 als Poststelle des Postamtes Stolberg in das Haus Konrad Adenauerstraße 155 verlegt wurde. In der Amtszeit von Bürgermeister Rothkehl (1900-14) hielten die technischen Errungenschaften Einzug in das noch ländliche Büsbach: elektrische Beleuchtung, elektrische Strassenbahn, Gas und " Wasserleitungen.

Die freiwillige Feuerwehr – ausgestattet mit neuem Gerätehaus – eine Volksbücherei, der Konsumverein und eine eigene Gemeinde Ortskrankenkasse wurden gegründet, neue Straßen angelegt und viele neue Häuser gebaut. Die Gemeinde errichtete 1912 ein weiteres Schulgebäude an der Dell. Als erster Arzt ließ sich 1911 Dr. Wiersberg in Büsbbach nieder. Ihm folgten Dr. Senge und Dr. Kallenberg. Die erste Apotheke im Ort wurde 1921 eingerichtet und 1927 in einem eigenem Neubau verlegt. Die Amtszeit von Bürgermeister Schlösser (1914-21) war gekennzeichnet durch die Auswirkung und Folgen des ersten Weltkrieges (1914-18) mit Not, Mangel, Hunger, behördlicher Bewirtschaftung der Lebensmittel, steigender Zahl der Gefallenen und der zu unterstützenden Hinterbliebenen. Bis 1919 hatte die Gemeinde 224 Kriegstote zu beklagen. Für Sie wurden später Ehrenmäler errichtet. Nach dem verlorenen Krieg hatte auch Büsbach über mehrere Jahre fremde Besatzungstruppen aufzunehmen und entsprechende Kosten zu tragen.



Im Jahr 1919 richtete die Gemeinde im Anwesen Bischofstraße 15 ein dringend benötigtes Wohlfahrtshaus („Marienheim“) mit Zellitinnen für die ambulante Krankenpflege und zur Betreuung gebrechlicher Senioren ein. Weitere Räume dort dienten später als Jugendheim.



In die schwierige Amtszeit von Bürgermeister Peter Frühauf (1922-33) fiel das Krisenjahr 1923 mit Inflation, Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Nahrungsmangel und Separatistenunruhen. Zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wurden Notstandsarbeiten durchgeführt und zur Linderung der Wohnungsnot u.a. neue Häuser an der Aachener Straße erbaut. Die Ortsbehörde unterstützte den Bau der neuen Turnhalle in der Dell und des neuen Sportplatzes am Kranensterz. Wichtigste Baumaßnahme der Gemeinde war der Bau der Zentralschule an der Bischofsstraße (1928-30). Am Nord-Ostende von Büsbach wurde die Kranensterzstraße bebaut. Zur Förderung der aufstrebenden heimischen Wirtschaft gründeten Büsbacher Geschäftsleute im Jahre 1928 die örtliche Volksbank.



Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. 01 1933 wurde Bürgermeister Frühauf am 16. 03 1933 seines Amtes enthoben und die Dienstvilla am Markt zum „Braunen Haus“ umfunktioniert. Hier richtete die NSV – Ortsgruppe 1937 Büsbachs ersten Kindergarten ein. Die Finanzlage der Gemeinde in den ersten 30er Jahren war miserabel, und etwa ein viertel der Bevölkerung musste damals durch Fürsorge und Arbeitslosenhilfe unterstützt werden.



Nachfolger und letzter Bürgermeister von Büsbach (1933-35) wurde der NSDAP – Ortsgruppenleiter Josef Brandenberg, kein Verwaltungsfachmann. Er bemühte sich die damalige riesige Not, hervorgerufen durch die Weltwirtschaftskrise und eine beispiellose Arbeitslosigkeit, durch Notstandsarbeiten und Sammlungen zu lindern. Die Gemeinde ließ auf dem Brockenberg eine kleine Siedlung errichten, Straßen reparieren, dem Lehmkaulweg provisorisch ausbauen und den Friedhof erweitern. Gegner des NS – Regimes wurden auch in der Gemeinde Büsbach verhaftet und verfolgt. Die schon seit vielen Jahren diskutierte Auflösung der Gemeinde Büsbach und ihre Eingemeindung in das viel zu enge Stolberg sowie nach Brand wurde durch eine kurze entsprechende Anordnung der Regierung zum 1. Oktober 1935 verwirklicht. Seitdem ist Büsbach ein Stadtteil von Stolberg.



Das aktuelle Beispiel bieten diese Büsbacher Internetseiten der Aktionsgemeinschaft, die am 18. Dezember 2000 feierlich durch Bürgermeister Siebertz eröffnet wurden und die sicherlich Maßstäbe für einen engagierten Internetauftritt setzen werden.


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