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Bericht der Interessengemeinschaft Büsbacher Vereine für das Jahr 1994
von Heinz Trimborn



Am Sonntag dem 12. Juni 1994, 12.00 Uhr, war es soweit. Unser Bareschesser Denkmal konnte bei strahlendem Sonnenschein feierlich enthüllt werden. Eine große Menge interessierter Bürger und Gäste von auswärts hatte sich auf dem neugestalteten und blumengeschmückten Büsbacher Markt versammelt. Auch die gesamte hohe Stadtprominenz war der Einladung gefolgt: Herr Bürgermeister Wolfgang Hennig, Herr Stadtdirektor Heinrich Römer mit den "Dezernenten und die Vorstände und Vertretungen der Ratsfraktionen."

Fast alle Mitgliedsvereine der Interessengemeinschaft waren an der Vorbereitung und Gestaltung der abwechslungsreichen Feierstunde und des anschließenden gemütlichen Beisammenseins beteiligt.

Die freiwillige Feuerwehr hatte alle notwendigen Einrichtungen und Aufbauten für den ungestörten Ablauf des Festprogramms aufgestellt. Ebenfalls hatte sie es übernommen, die von der Firma Kutsch gestiftete Erbsensuppe auszugeben und eine Riesen Springburg auf- und abzubauen. Mitglieder des Mandolinenorchesters und des Billardclubs übernahmen die Aufsicht, während viele Kinder sich auf der Hüpfburg austoben konnten und Ihren Spaß dabei hatten.
Die Büsbacher Karnevalsgemeinschaft betrieb den Getränkewagen, in dem sie von den durstigen Gästen wie selten zuvor aufs äußerste gefordert wurde.

Das eigentliche Festprogramm wurde umrahmt von einem Platzkonzert mit den Gressenicher Blasmusikanten.

Nach der Begrüßung der Gäste und einem Liedvortrag durch den Büsbacher Männergesangsverein kamen der Bürgermeister – nach einer kurzen Ansprache – und der Leiter des Arbeitskreises, Herr Franz Hamers, gleich zum eigentlichen Höhepunkt des Programms: "der Enthüllung des Bareschesser – Denkmals". Die gesamte Aufmerksamkeit und Neugier der Gäste entlud sich in lautem Beifall, begleitet von einem Tusch durch die Blasmusikanten.

Danach erfolgte die Übergabe des Denkmals durch den Büsbacher Künstler, Herrn Lothar Scheffler, der diese Skulptur entworfen und mit viel Liebe am Detail aus Kupferblech geschaffen hatte.

Den Kupferstädtern sei gesagt, dass das Bareschesser – Denkmal die erste Skulptur in Stolberg ist, die ganz in Kupfer gearbeitet wurde.

Der nächste Höhepunkt des Programms war die großartige Festrede, für die Herr Rektor a. D. Josef Pohlen gewonnen werden konnte. Ohne Zweifel war er als "Ur – Büsbacher" besonders befähigt, bisher unbekannte und interessante Hintergründe zur anrüchigen Tat des Heinrich Gussen in 1907 und ihre Folgen für die Büsbacher Bevölkerung zu formulieren, zu werten und vorzutragen:

"Es ist geschafft! Büsbach hat endlich sein Bareschesser – Denkmal! Dass das überhaupt möglich wurde, verdanken wir einigen unserer Mitbürger, die viel Zeit und Arbeit investierten, um das Vorhaben zur Realität werden zu lassen. Ihnen allen sei Dank. Trotzdem sei es mir erlaubt, einen, der sich mit besonderem Nachdruck für die Errichtung des Denkmals eingesetzt hat, hervorzuheben. Er hat durch sein stetes Bemühen viele Büsbacher zu einer Geldspende ermuntert. Es war unser Franz Hamers.

Wenn wir uns das neue Denkmal anschauen, dann wird all das wieder lebendig, was im Jahre 1907 in der Nacht vom 28. zum 29. Mai geschah. Ich erspare mir die Schilderung der sattsam bekannten Begebenheit, aber man kommt nicht umhin, sich zu Fragen, was man von dem damaligen Geschehnis hält.

Liebe Büsbacherinnen und Büsbacher! Nun, was damals geschah, war gelinde ausgedrückt – eine Ferkelei. In den nachfolgenden Jahren lachte man zwar immer wieder über das Geschehen, aber keinem war so richtig wohl dabei. Ich bin sicher, hätte man einem die Frage gestellt: "Würdest Du Dich auch zu solch einem Tun animieren lassen?", keiner hätte mit „Ja“ geantwortet.

Derbe Scherze werden zu allen Zeiten getrieben, und deshalb möchte ich für unseren Bareschessser, alias Heinrich Gussen, büroangestellter bei Prym, trotz allem eine Lanze brechen. Kein geringerer als unser großer Dichter, Johann Wolfgang Goethe, zeigt für derbes Tun Verständnis und sagt: „Wenn man in der Jugend nicht tolle Streiche machte und mitunter einen Buckel voller Schläge mit nach Hause nähme, was wolle man dann im alter für Betrachtungsstoff haben?"

Trotz allem, ich will nichts Schönreden und möchte aus eigenem Erleben einiges zum Besten geben. Ich fragte einmal als Kind meinen Vater nach dem Geschehen im Jahre 1907. Siehe da, der Vater wurde ärgerlich und meinte, es gehöre sich nicht, was damals vorgefallen sei. Viel später erst verstand ich, warum der Vater nicht gerne darüber sprach. Er war damals der Vorsitzende des Büsbacher Männergesangsvereins, und oh Schreck, der Bösewicht, der Bareschesser, war Mitglied des Vereins, und das bewusste Ereignis soll sich zudem auch noch nach einer Chorprobe in feucht – fröhlicher Stimmung zugetragen haben. Das schien meinem Vater dem guten Ansehen des Vereins abträglich zu sein.

Tatsächlich wurde die Geschichte schnell bekannt und sprach sich auch in den Nachbargemeinden herum. So war es nicht verwunderlich, dass wir Büsbacher immer häufiger „Bareschesser“ genannt wurden, und das war beileibe nicht wohlwollend gemeint.

Auch hier möchte ich ein Beispiel aus eigenem Erleben bringen: In den 30er Jahren besuchte ich mit anderen Büsbacher Jungen das Gymnasium in Stolberg. Wie eh und je gab es eine Rivalität zwischen den Jugendlichen im Tal und denen auf der Höhe. So kam es zwangsläufig zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien. War einmal uns, denen auf der Höhe, das glück hold, und wir behielten die Überhand und konnten unseren Gegner in die Flucht schlagen, dann blieben sie in sicherer Entfernung stehen und schauten uns verächtlich an, denn Sie hatten noch einen Pfeil im Köcher. Sie drückten Ihre Verachtung über uns aus und riefen: „Waat mä, ehr fiese Bareschesser, dat kräht ehr zoröck!“

Das Wort „Bareschesser“ traf uns damals bis ins Mark und wir trotteten wutentbrannt wieder zur Höhe.

Aber mit der Zeit verlor das Wort „Bareschessser seine diskriminierende Bedeutung. Woran lag das? Ich glaube, der äußere Anlass dazu war die Eingemeindung der Gemeinde Büsbach durch die Stadt Stolberg im Jahr 1935. Hier drohte einem traditionsreichem Ort seine Identität genommen zu werden, und das gefiel den Büsbachern gar nicht. So war es nicht verwunderlich, dass sie – wenn sie als Stolberger angesprochen wurden – unwirsch entgegneten: „Wer send Bösbischer Bareschesser un ken Stolberger“. Das wenig gelittene Wort „Bareschesser“ hatte für die Bewohner der Höhe plötzlich eine andere Bedeutung bekommen und es verwundert nicht, dass die Bar damals in das Wappen der Karnevalsgemeinschaft aufgenommen wurde. Das "Bar" war hoffähig geworden.

Obwohl jeder Vergleich hinkt, möchte ich das gesagte zu untermauern versuchen: Im vorigen Jahrhundert, zur Zeit der Industrialisierung, wurde Deutschland dem damaligen Weltreich England ein lästiger Konkurrent auf dem Weltmarkt. Das gefiel den Engländern natürlich nicht, und Sie setzten es durch, das allen Waren die nach England exportiert wurden, mit der Inschrift „Made in Germany“ gekennzeichnet werden mussten. Die Engländer erhofften sich davon, dass die deutsche Ware nicht gekauft werde, denn die englische galt bis dato als die beste. Aber was geschah? Auf die Dauer setzten sich die deutschen Waren durch und galten als gut und zuverlässig. Das „Made in Germany“ war zum Gütezeichen geworden.

Und nun zurück zu unserem „Bareschesser“. Sicherlich, er ist nicht zum Gütezeichen geworden, aber sein Name wurde zum Synonym für die Leute auf der Höhe. Und das ist er bis heute geblieben.

Jetzt scheint mir eine kleine Anmerkung vonnöten. Sehr geehrter Herr Bürgermeister, wir von der Höhe fühlen uns heute auch zu Stolberg gehörig, ohne unsere Wesensart verloren zu haben. Das ist nicht von Nachteil, denn ich meine, die Vielfalt der Bewohner einer Stadt macht sie erst interessant und liebenswert."

Ich komme zum ende, kann es mir aber nicht versagen, den sogenannten Moralisten unter uns, die auch jetzt noch immer die Nase über unseren „Bareschesser“ rümpfen, einen Gedanken mit auf dem Nachhauseweg zu geben, den kein Geringerer als der Philosoph Arthur Schoppenhauer niedergeschrieben hat. Es heißt da:
"Mit jeder menschlichen Torheit, jedem Fehler, jedem Laster sollen wir Nachsicht haben, bedenken, dass was wir da vor uns haben, eben unsere eigenen Torheiten, Fehler und Laster sind. Es sind eben die Fehler, über welche wir uns jetzt entrüsten, bloß weil sie eben nicht gerade jetzt bei uns hervortreten."

So möge man das Bareschesser Denkmal als Ausdruck des Büsbacher Selbstbewusstseins ansehen. Wir sind Stolz darauf, das wir Büsbacher es durch Spenden aus der Bevölkerung finanzierten und das ohnehin leere Stadtsäckel Stolbergs nicht belastet wurde. Zugleich dient es auch zur Verschönerung unseres Marktplatzes, und ich hoffe, dass alle Bürger Ihre Freude daran haben werden."


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